Was geschieht im Schlaflabor ?

Schlaf– und Aufwachqualität werden subjektiv mittels Fremd– und Selbstbeurteilungsskalen und objektiv mittels Computer–assistierter Polysomnographie und psychometrischer Testbatterien gemessen und mit Normdaten verglichen.

Schlaflabor Rudolfinerhaus
Abb. 1 Schlaflabor Rudolfinerhaus

Zu diesem Zweck kommt der Schläfer/die Schläferin am Abend ins Schlaflabor (Abb.1), welches einen Patient(inn)en-Raum, einen Assistent(inn)en-Raum mit den Aufnahmegeräten und ein Badezimmer umfasst. Der Patient/die Patientin richtet sich zunächst gemütlich ein und lernt denNachtassistenten/die Nachtassistentin kennen. Etwa 1 Stunde vor dem geplanten Schlafengehen erfolgt die Vorbereitung für die Nacht.

Zur Ableitung der Hirnströme (Elektroencephalogramm = EEG) werden kleine Goldelektroden auf die Kopfhaut geklebt, für die Messung der Augenbewegungen (Elektrookulogramm = EOG) werden Elektroden im Bereich der  äußeren Augenwinkel und zur Messung der Muskelaktivität (Elektromyogramm = EMG) Elektroden im Bereich des Kinns appliziert. Zur Abklärung von Schnarchen oder schlafbezogenen Atmungsstörungen wird der nasale und orale Atemfluss mit Hilfe einer Nasenkanüle und eines zwischen Mund und Nase befestigten Atemthermistors gemessen. Mit zwei über der Brust und über dem Bauch befestigten Atemgurten werden die Atembewegungen aufgezeichnet, zum Registrieren möglicher Schnarchgeräusche wird am Hals ein kleines Schnarchmikrophon angebracht. Bei der Atmung im Schlaf und vor allem bei schlafbezogenen Atmungsstörungen spielt auch die Sauerstoffsättigung eine maßgebliche Rolle, weshalb diese zusammen mit dem Puls über ein mit einem Fingerclip befestigtes Pulsoxymeter gemessen wird. Da in der Nacht auch Bewegungen ablaufen und z.B. Beinbewegungen den Schlaf stören können, werden auch diese über an den Unterschenkeln angebrachte EMG-Elektroden gemessen. Für die Aufzeichnung der nächtlichen Herzaktivität bzw. möglicher nächtlicher Herzrhythmusstörungen läuft während der Schlafaufzeichnung das EKG.

Üblicherweise wird bei Erwachsenen um ca. 22.30 Uhr das Licht im Schlafraum gelöscht, zu der Zeit, wenn der Großteil der Bevölkerung zu Bett geht. Die Schlafaufzeichnung für die nächsten 7½ Stunden, die insgesamt 900 30-Sekunden-Epochen umfasst (Abb. 2), beginnt. Die computerunterstützte Aufnahme erfolgt im benachbarten Assistent(inn)en-Raum und wird durch Schlaf-EEG-Assistent(inn)en überwacht, mit denen die Patient(inn)en bei Bedarf jederzeit Kontakt aufnehmen können.

Abb.2 30-Sekunden Epoche eines Polysomnogramms mit peripheren Funktionsabläufen während und nach einer 11 Sekunden dauernden obstruktiven Schlafapnoe.
Abb.2 30-Sekunden Epoche eines Polysomnogramms

Abb.2 30–Sekunden Epoche eines Polysomnogramms mit peripheren Funktionsabläufen während und nach einer 11 Sekunden dauernden obstruktiven Schlafapnoe.
In den 13 Polysomnographie–Kanälen werden Muskelspannung (EMG), Augenbewegungen (EOG), bioelektrische Hirnfunktion (EEG), Herztätigkeit (EKG), Atmung (Flow, Sum, Upper and Lower Effort), Schnarchgeräusche (Trach), Körperlage (BodyPos) und Sauerstoffsättigung (SPO2) aufgezeichnet. Während der ersten 10 Sekunden ist eine obstruktive Apnoe (Atemstillstand) durch eine Nulllinie im Atemflusskanal klar ersichtlich.

Am nächsten Morgen erhalten die Patient(inn)en einen Computerausdruck ihres Schlafprofils (Abb. 3) und eine Zusammenfassung der wichtigsten Schlafvariablen.

Normales Schlafprofil basierend auf der Klassifikation (Rechtschaffen u. Kales) von 900 30 Sekunden Epochen
Abb.3 Normales Schlafprofil

Abb.3 Normales Schlafprofil basierend auf der Klassifikation (Rechtschaffen & Kales) von 900 30-Sekunden-Epochen.
Nach einer kurzen Schlaflatenz (= Einschlafzeit) erreichen Schlafende über das Leichtschlafstadium 1 und das Spindelschlafstadium 2 die Tiefschlafstadien 3 und 4, in denen sie ca. eine halbe Stunde bleiben, um dann in einen kurzen REM-Schlaf überzuwechseln, aus dem sie auch kurz erwachen können.
Es folgen weitere drei Schlafzyklen, wobei gegen Schlafende die Non-REM-Stadien kürzer und weniger tief und die REM-Stadien länger werden.

Objektive Beurteilung der Aufwachqualität mittels einer psychometrischen Testbatterie, die Aufmerksamkeit, Konzentration, Aufmerksamkeitsvariabilität, Gedächtnisleistung, Reaktionszeit, Flimmerverschmelzungsfrequenz, Muskelkraft, Puls und Blutdruck
Abb.4 Messung der subjektiven Aufwachqualität.

Weiters beurteilen sie anhand von Fragebögen und Analogskalen ihren subjektiven Eindruck von Schlaf– und Aufwachqualität, Befindlichkeit, Antrieb, Stimmung, Affizierbarkeit und Wachheit/Frische. Die objektive Beurteilung der Aufwachqualität erfolgt mittels einer psychometrischen Testbatterie, die Aufmerksamkeit, Konzentration, Aufmerksamkeitsvariabilität, Gedächtnisleistung, Reaktionszeit, Flimmerverschmelzungsfrequenz, Muskelkraft, Puls und Blutdruck erfasst (Abb.4).

Die visuelle Nachklassifikation von 900 30–Sekunden–Epochen/Nacht und der statistische Vergleich der subjektiven und objektiven Schlaf– und Aufwachqualität mit Normdaten wird nachgereicht.

Üblicherweise werden 3 Nächte aufgezeichnet, eine Adaptations–, eine Basis– und eine Behandlungsnacht. Die Adaptationsnacht zur "Gewöhnung" an das Schlaflabor, die Basisnacht, in der die Patient(inn)en bereits an die Aufnahmemodalitäten gewöhnt sind, zur diagnostischen Beurteilung des Schlafs oder der Schlafstörung und die Behandlungsnacht, in der der Therapieeffekt der vorgeschlagenen Behandlung überprüft werden kann.